
Entgegen der Annahme, dass makellose Technik der Schlüssel ist, liegt das Geheimnis des Erfolgs in der sichtbaren Entwicklung einer eigenständigen künstlerischen Fragestellung.
- Professoren suchen kein handwerkliches Endprodukt, sondern das Potenzial für einen intellektuellen und kreativen Dialog.
- Ihre Mappe ist kein Portfolio, sondern der strategische Auftakt zu einer Konversation über Ihre künstlerische Position.
Empfehlung: Fokussieren Sie sich weniger auf „perfekte“ Einzelwerke und mehr auf den „roten Faden“, der Ihren Denkprozess und Ihre Experimentierfreude beweist.
Der Brief mit der Absage von der Kunsthochschule ist für viele ein Schock. Monatelang wurde gezeichnet, gemalt, fotografiert, die vermeintlich besten Arbeiten wurden ausgewählt – und doch reicht es nicht. Die extrem niedrige Annahmequote von oft unter 10 % an renommierten staatlichen Akademien in Deutschland nährt den Mythos, dass nur technische Genies eine Chance haben. Viele Bewerber verfallen daraufhin in Panik, buchen teure Mappenkurse, die ihnen beibringen, noch „schöner“ oder „beeindruckender“ zu zeichnen, und übersehen dabei den wahren Grund für die Ablehnung.
Das Problem ist nicht Ihr mangelndes Talent. Das Problem ist ein fundamentales Missverständnis darüber, was eine deutsche Kunstakademie heute sucht. Die Konkurrenz ist groß; laut aktuellen Statistiken des Statistischen Bundesamtes gab es allein im Studienjahr 2023/2024 fast 4.974 Studienanfänger an Kunsthochschulen. In diesem Umfeld geht es nicht mehr darum, wer am realistischsten ein Porträt zeichnen kann. Die entscheidende Frage, die sich Professoren stellen, ist nicht: „Was kann diese Person?“, sondern: „Was denkt diese Person? Welche Fragen stellt sie sich und der Welt? Und hat sie das Potenzial, in den nächsten fünf Jahren eine eigenständige künstlerische Stimme zu entwickeln?“
Dieser Artikel durchbricht die gängigen Ratschläge. Er agiert als Ihr kritischer, aber fördernder Mappenberater und zeigt Ihnen die strategische Ebene hinter der Bewerbung. Wir werden analysieren, warum „schöne“ Zeichnungen oft ein schnelles Aus bedeuten, wie Sie Ihre Arbeit vor einer Kommission verteidigen und warum ein akademischer Abschluss weit mehr als nur „Basteln“ ist. Es geht darum, das Spiel zu verstehen, um es erfolgreich spielen zu können.
Der folgende Leitfaden bietet Ihnen einen tiefen Einblick in die ungeschriebenen Regeln des Bewerbungsprozesses. Er ist strukturiert, um Sie von der grundlegenden Neuausrichtung Ihrer Mappe bis hin zu fortgeschrittenen Strategien wie der Bewerbung für eine Meisterklasse zu führen.
Inhaltsverzeichnis: Strategien für Ihre erfolgreiche Kunst-Bewerbung
- Warum sortieren Professoren „schöne“ Zeichnungen oft sofort aus?
- Teure private Kunstschule oder staatliche Akademie: Wo ist der Abschluss mehr wert?
- Wie verteidigen Sie Ihre Arbeiten vor einer kritischen Kommission?
- Der Irrtum, dass man im Designstudium nur „bastelt“
- Wann ist eine handwerkliche Ausbildung der bessere Weg zur Kunst?
- Was bedeutet der Titel „Meisterschüler“ an deutschen Akademien wirklich?
- Wie präsentieren Sie „trockene“ Skills attraktiv für kreative Arbeitgeber?
- Wie finden und bewerben Sie sich für eine Meisterklasse bei einem renommierten Künstler?
Warum sortieren Professoren „schöne“ Zeichnungen oft sofort aus?
Die vielleicht größte Falle für Bewerber ist der Glaube an die technische Perfektion. Eine fotorealistische Zeichnung oder ein makellos gemaltes Bild zeigt handwerkliches Geschick, aber es beantwortet der Kommission keine einzige wichtige Frage. Es zeigt, dass Sie eine Technik beherrschen, aber nicht, dass Sie eine künstlerische Idee haben. Professoren suchen nach Entwicklungspotenzial und einer eigenen Haltung. Eine Mappe voller „perfekter“ Werke wirkt oft abgeschlossen und lässt keinen Raum für Lehre oder Dialog. Sie schreit „Ich kann das schon“ anstatt „Ich will hier etwas erforschen“.
Dieser Fokus auf die Persönlichkeit und den Denkprozess ist tief in der Geschichte deutscher Kunstakademien verwurzelt. Insbesondere die durch Joseph Beuys geprägte Düsseldorfer Kunstakademie hat den „Erweiterten Kunstbegriff“ etabliert, der die Suche nach einer einzigartigen Künstlerpersönlichkeit über die reine Technik stellt. Wie eine Analyse der Entwicklung deutscher Kunsthochschulen zeigt, hat sich diese Haltung durchgesetzt. Es geht um die „künstlerische Fragestellung“, die eine Arbeit aufwirft, nicht um ihre makellose Ausführung. Eine Serie von experimentellen Skizzen, die einen Gedankenprozess dokumentiert, ist daher oft aufschlussreicher und interessanter als ein einzelnes, hochpoliertes Ergebnis.
Ihre Mappe sollte daher nicht als Best-of-Showcase, sondern als visuelles Argument verstanden werden. Zeigen Sie, woher Sie kommen, was Sie beschäftigt und wohin Sie wollen. Unfertiges, Zweifel und Brüche sind keine Schwächen, sondern Beweise für einen lebendigen, kritischen Geist – und genau das ist die Basis für ein erfolgreiches Kunststudium.
Ihr Plan für eine konzeptstarke Bewerbungsmappe
- Roter Faden: Entwickeln Sie eine zusammenhängende künstlerische Fragestellung oder einen Gedankenprozess, der Ihre Werke verbindet, anstatt isolierte „perfekte“ Arbeiten zu zeigen.
- Prozess zeigen: Fügen Sie bewusst auch Skizzen, Studien und experimentelle Arbeiten hinzu, die Ihren kreativen Weg und Ihr Entwicklungspotenzial dokumentieren.
- Konzept vor Technik: Stellen Sie sicher, dass jede Arbeit eine konzeptuelle oder emotionale Aussage transportiert und nicht nur eine reine Demonstration Ihres handwerklichen Könnens ist.
- Recherche: Differenzieren Sie klar zwischen dem Profil von Kunst- und Designhochschulen und recherchieren Sie den spezifischen Fokus Ihrer Wunschakademie und deren Professoren.
- Umfang und Persönlichkeit: Präsentieren Sie etwa 15-20 eigenständige Arbeiten, die Ihre künstlerische Persönlichkeit facettenreich zeigen, auch wenn sie thematisch nicht alle direkt zusammenhängen.
Teure private Kunstschule oder staatliche Akademie: Wo ist der Abschluss mehr wert?
Die erste strategische Weiche auf dem Weg ins Kreativstudium ist die Wahl der Hochschule. Während staatliche Akademien mit Tradition, Renommee und niedrigen Semesterbeiträgen locken, werben private Schulen mit Praxisnähe, kleinen Klassen und starken Netzwerken in die kommerzielle Kreativwirtschaft. Die Entscheidung zwischen diesen beiden Welten hat weitreichende Konsequenzen für Ihre Karriere und Finanzen.
Staatliche Kunsthochschulen wie die UdK Berlin, die HGB Leipzig oder die Muthesius Kunsthochschule in Kiel sind tief im institutionellen Kunstbetrieb verankert. Hier zählt der Name des Professors, unter dem Sie studiert haben, oft mehr als der Name der Hochschule selbst. Das Netzwerk führt in Richtung Galerien, Museen und den freien Kunstmarkt. Die Ausbildung ist stark auf die Entwicklung einer autonomen künstlerischen Position ausgerichtet. Dem gegenüber stehen die sehr hohen Hürden der Aufnahmeprüfung und eine oft weniger verschulte, freiere Studienstruktur, die ein hohes Maß an Selbstdisziplin erfordert.

Private Hochschulen wie die AMD oder Macromedia sind hingegen oft stärker auf die Bedürfnisse der Kreativwirtschaft zugeschnitten. Die Ausbildung in Bereichen wie Kommunikationsdesign, Game Art oder Modemanagement ist verschulter und projektorientierter. Das Netzwerk zielt auf Agenturen, Unternehmen und die Industrie. Der „Wert“ des Abschlusses bemisst sich hier weniger am künstlerischen Renommee als an den direkten Branchenkontakten und dem praxistauglichen Portfolio, das während des Studiums entsteht. Dieser Vorteil hat jedoch seinen Preis, wie der folgende Vergleich zeigt.
| Kriterium | Staatliche Kunsthochschule | Private Kunstschule |
|---|---|---|
| Semesterbeiträge | ca. 300-400€ | 10.000-20.000€/Jahr |
| Netzwerk-Typ | Institutioneller Kunstbetrieb (Galerien, Museen) | Kommerzielle Kreativwirtschaft (Agenturen, Marken) |
| BAföG-Berechtigung | Voller Anspruch möglich | Eingeschränkt, eigene Finanzierungsmodelle |
| Reputation im Kunstmarkt | Name des Professors/der Akademie entscheidend | Branchenkontakte für Design/Werbung vorteilhaft |
| Beispiele | UdK Berlin, HGB Leipzig, Muthesius Kiel | AMD, Macromedia, Filmakademie Baden-Württemberg |
Wie verteidigen Sie Ihre Arbeiten vor einer kritischen Kommission?
Die Mappe ist nur die Eintrittskarte. Die eigentliche Prüfung findet oft im direkten Gespräch statt: dem Eignungsgespräch oder der Verteidigung der praktischen Prüfung vor der Kommission. In diesem Moment zählt nicht mehr nur, was Sie gemacht haben, sondern ob Sie darüber sprechen können. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen, und die Fähigkeit zur Selbstreflexion und zum Diskurs wird zum entscheidenden Faktor. Es geht um Diskursfähigkeit – die Kompetenz, die eigene Arbeit konzeptuell einzuordnen, Entscheidungen zu begründen und Kritik produktiv aufzunehmen.
Der Mappenberater Martin Missfeldt fasst das Dilemma treffend zusammen, wenn er auf die vage Forderung „Die Mappe muss gut sein“ eingeht:
Die Mappe muss gut sein. Die Arbeiten müssen überzeugen! – Nur leider nützt diese diffuse Äußerung herzlich wenig. Denn gut ist relativ, und überzeugen können Arbeiten immer nur im Gesamtkontext.
– Martin Missfeldt, Bewerbungsmappe für Kunststudium
Dieser „Gesamtkontext“ wird im Gespräch hergestellt. Bereiten Sie einen 30-Sekunden „Elevator Pitch“ für Ihr zentrales Thema vor. Zeigen Sie, dass Sie sich mit kunsthistorischen oder aktuellen künstlerischen Positionen auseinandergesetzt haben. Noch wichtiger: Seien Sie auf kritische Fragen vorbereitet. Eine Frage wie „Warum ist diese Linie hier so zittrig?“ ist kein Angriff, sondern eine Einladung zum Dialog. Statt sich zu verteidigen („Das war Absicht“), erklären Sie Ihren Prozess („Ich habe hier mit der Kontrolle und dem Verlust davon experimentiert“). Eine exzellente Strategie ist die produktive Nutzung von Unsicherheit und die Gegenfrage: „Das ist ein Punkt, über den ich selbst noch nachdenke. Wie sehen Sie dieses Problem aus Ihrer Perspektive?“ Dies zeigt Coachability und intellektuelle Neugier.
Der entscheidende, oft übersehene Tipp ist die Kontaktaufnahme im Vorfeld. Nutzen Sie unbedingt die Sprechstunden der Professoren. Wenn ein Professor Sie bereits kennt und von Ihrem Potenzial überzeugt ist, wird er sich in der Kommission aktiv für Sie einsetzen. Diese persönliche Befürwortung ist in der Praxis oft das Zünglein an der Waage.
Der Irrtum, dass man im Designstudium nur „bastelt“
Besonders im Bereich Design hält sich hartnäckig das Vorurteil, das Studium sei eine Art gehobener Bastelkurs. Dieses Klischee ignoriert die massive Akademisierung, die Design-Studiengänge in den letzten Jahrzehnten durchlaufen haben, insbesondere durch den Bologna-Prozess. Ein modernes Designstudium mit Bachelor- oder Masterabschluss ist eine wissenschaftlich fundierte Disziplin, die weit über die rein gestalterische Ausführung hinausgeht.
Fächer wie Designtheorie, empirische Forschungsmethoden, Semiotik, Projektmanagement und Marketing sind heute fester Bestandteil der Curricula. Es geht nicht mehr nur darum, ein schönes Logo zu entwerfen, sondern darum, komplexe Kommunikationssysteme zu verstehen, Zielgruppen zu analysieren und die gesellschaftliche Wirkung von Gestaltung zu reflektieren. Das „Basteln“ – die handwerkliche Umsetzung – ist nur ein Teil eines viel größeren, intellektuellen Prozesses. Die Hochschulstatistiken des Bundesamtes bestätigen, dass die Ausbildung an Kunst- und Fachhochschulen die höchste formale Bildung in Deutschland vermittelt, was die wissenschaftliche Ausrichtung unterstreicht.
Diese Akademisierung hat direkte Auswirkungen auf die Anforderungen an Bewerber. Eine Mappe, die nur schöne Illustrationen oder Layouts zeigt, greift zu kurz. Gefragt ist die Fähigkeit, konzeptuell zu arbeiten. Das bedeutet, ein Problem zu analysieren, eine Leitidee zu entwickeln, diese systematisch durch verschiedene Medien zu deklinieren und den gesamten Prozess zu dokumentieren und zu begründen. Ein Skizzenbuch, das die Entwicklung einer Corporate Identity von der ersten Recherche bis zum finalen Styleguide zeigt, ist für eine Design-Bewerbung wertvoller als zehn isolierte, „hübsche“ Poster.
Wer Design studieren will, muss also beweisen, dass er nicht nur ein guter Gestalter, sondern auch ein kritischer Denker ist. Die Mappe muss zeigen, dass Sie in der Lage sind, Design als Werkzeug zur Problemlösung einzusetzen und nicht nur als Mittel zur Dekoration.
Wann ist eine handwerkliche Ausbildung der bessere Weg zur Kunst?
Der direkte Weg über das Abitur an die Kunstakademie ist nicht der einzige Pfad. Für manche Persönlichkeiten kann eine vorangegangene handwerkliche Ausbildung der strategisch klügere und letztlich erfolgreichere Weg sein. Dies gilt insbesondere für künstlerische Bereiche, in denen eine tiefe Materialkompetenz entscheidend ist, wie in der Bildhauerei, Keramik, Goldschmiedekunst oder auch in der konzeptuellen Arbeit mit Holz und Metall.
Eine abgeschlossene Lehre als Tischler, Steinmetz oder Keramiker vermittelt nicht nur technische Fertigkeiten auf höchstem Niveau, sondern auch ein tiefes, intuitives Verständnis für ein Material. Diese materielle Intelligenz ist ein enormes Alleinstellungsmerkmal in einer Bewerbungsmappe. Während andere Bewerber mit Papier und Stift experimentieren, können Sie bereits eine fundierte Auseinandersetzung mit der Form, der Textur und den symbolischen Eigenschaften von Holz, Stein oder Ton vorweisen. Dies zeugt von Ernsthaftigkeit, Ausdauer und einer besonderen Sensibilität.
Der formale Weg hierfür ist der „Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte“. In vielen deutschen Bundesländern können Personen mit einem Meisterbrief oder einer vergleichbaren Qualifikation auch ohne Abitur ein Studium aufnehmen. So wird es beispielsweise von der Muthesius Kunsthochschule bestätigt, dass Bewerber ohne allgemeine Hochschulreife unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen werden können. Die strategischen Schritte sind klar:
- Wahl einer künstlerisch relevanten Ausbildung (z.B. Tischler, Goldschmied, Steinmetz).
- Abschluss mit Gesellenbrief und Sammeln von Berufserfahrung.
- Erwerb des Meisterbriefs im jeweiligen Handwerk.
- Bewerbung an einer Kunstakademie unter Nutzung des Hochschulzugangs für beruflich Qualifizierte.
Dieser Weg ist länger und anspruchsvoller, aber er schafft ein Fundament, das Sie von der Masse der Abiturienten abhebt. Sie bewerben sich nicht mehr als Anfänger, sondern als Spezialist mit einer einzigartigen Perspektive und Materialkompetenz.
Was bedeutet der Titel „Meisterschüler“ an deutschen Akademien wirklich?
Innerhalb des deutschen Kunsthochschulsystems stellt der Titel „Meisterschüler“ oder „Meisterschülerin“ die höchste Auszeichnung dar, die ein Absolvent erreichen kann. Es handelt sich hierbei nicht um einen regulären Masterabschluss, sondern um ein prestigeträchtiges, postgraduales Studium, das nur den besten Studierenden einer Professorenklasse offensteht. Der Titel ist ein Qualitätssiegel, das im Kunstmarkt hohe Anerkennung genießt und oft als Sprungbrett für eine erfolgreiche Karriere dient.
Die Zulassung zum Meisterschülerstudium ist streng reglementiert. Wie die Definition festhält, ist es ein weiterführendes Studium nach einem exzellenten Diplom- oder Masterabschluss.
Ein Meisterschülerstudium können an deutschen Kunsthochschulen diejenigen Studenten beginnen, die das reguläre Studium mit überdurchschnittlichen Leistungen absolviert haben. Über die Zulassung in die Meisterklassen entscheidet eine Kommission. Bis der Meisterschülertitel bzw. Meisterschülerbrief verliehen wird, müssen in der Regel noch ein oder zwei weitere Studienjahre verbracht werden.
– Wikipedia, Meisterschüler – Definition
Während dieses ein- bis zweijährigen Studiums erhalten die Meisterschüler oft einen eigenen Atelierplatz an der Hochschule und werden weiterhin intensiv von ihrem Professor betreut. Ziel ist die Entwicklung und Realisierung eines größeren, eigenständigen künstlerischen Vorhabens, das in einer öffentlichen Abschlussausstellung, der „Meisterschülerausstellung“, mündet. Die Vergabe ist äußerst selektiv. Wie das Beispiel des Meisterschülerprogramms an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig zeigt, entscheidet eine spezielle Kommission, und typischerweise erhalten nur ein bis zwei Studierende pro Professorenklasse und Jahr diese Ehre. Der Titel signalisiert dem Kunstmarkt, dass ein Professor seine besten Schüler persönlich für fähig hält, eine nachhaltige und relevante künstlerische Karriere zu verfolgen.

Das Wichtigste in Kürze
- Konzept schlägt Technik: Eine Mappe muss eine künstlerische Fragestellung und Entwicklung zeigen, keine Leistungsschau perfekter Werke sein.
- Diskursfähigkeit ist entscheidend: Die Fähigkeit, die eigene Arbeit zu verteidigen und Kritik produktiv aufzunehmen, ist im Eignungsgespräch wichtiger als jedes Einzelwerk.
- Staatlich vs. Privat: Die Wahl der Hochschule ist eine strategische Weichenstellung zwischen freiem Kunstmarkt und Kreativwirtschaft mit weitreichenden finanziellen Folgen.
Wie präsentieren Sie „trockene“ Skills attraktiv für kreative Arbeitgeber?
Nach dem Kunststudium stehen viele Absolventen vor der Herausforderung, sich auf dem Arbeitsmarkt zu positionieren – sei es als freier Künstler oder in der Kreativwirtschaft. Viele der im Studium erworbenen Fähigkeiten sind für Außenstehende jedoch unsichtbar oder werden als „weiche“ Skills abgetan. Die Fähigkeit, administrative oder organisatorische Kompetenzen in die Sprache der Kreativbranche zu übersetzen, ist daher ein entscheidender Vorteil.
Ein Kunststudium ist ein intensives Training in Projektmanagement, auch wenn es selten so genannt wird. Von der ersten Idee über die Materialbeschaffung und die zeitintensive Umsetzung bis hin zur finalen Ausstellungsorganisation und -präsentation managen Studierende komplexe, langfristige Projekte. Diese Fähigkeit ist für jeden Arbeitgeber hochattraktiv. Der Schlüssel liegt darin, diese Prozesse sichtbar zu machen und umzubenennen. „Budgetverantwortung“ wird zu „erfolgreicher Fördergeldbeschaffung“, „Organisation“ wird zur „kuratorischen Praxis“.
Die folgende Tabelle hilft Ihnen, Ihre akademischen Leistungen in die Sprache potenzieller Arbeitgeber oder Förderinstitutionen zu übersetzen:
| ‚Trockener‘ Skill | Kreative Übersetzung | Konkrete Anwendung im Kunstkontext |
|---|---|---|
| Projektmanagement | Konzeption komplexer Kunstprojekte | Von der Idee bis zur Ausstellungseröffnung |
| Budgetverantwortung | Erfolgreiche Fördergeldbeschaffung | Beantragung bei deutschen Kulturstiftungen |
| Organisation | Kuratorische Praxis | Selbst kuratierte Gruppenausstellung |
| Kommunikation | Künstlerisches Statement | Gelungene Förderanträge und Pressetexte |
| Administration | Künstler-Unternehmer | Projektförderung und Stiftungsmanagement |
Diese „Übersetzung“ ist keine Schönfärberei, sondern eine präzise Beschreibung der Realität. Sie zeigt, dass Sie nicht nur kreativ, sondern auch strukturiert, verlässlich und unternehmerisch denken können – eine Kombination, die in der Kreativwirtschaft selten und daher extrem wertvoll ist.
Wie finden und bewerben Sie sich für eine Meisterklasse bei einem renommierten Künstler?
Die Bewerbung für eine Klasse bei einem bestimmten Professor ist der strategischste Akt im gesamten Prozess. Hier geht es nicht mehr um eine allgemeine Bewerbung an einer Hochschule, sondern um das gezielte „Andocken“ an eine spezifische künstlerische Position. Renommierte Professoren suchen keine Kopien ihrer selbst, sondern Studierende, deren eigene Fragestellungen einen produktiven Dialog mit ihrer eigenen Arbeit versprechen. Die Bewerbung wird so zu einer Demonstration von Recherche, strategischem Denken und künstlerischer Passung.
Der Prozess ist zweigeteilt: Es gibt die formale, administrative Bewerbung bei der Hochschule und die weitaus wichtigere, informelle Kontaktaufnahme mit dem Professor. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der sorgfältigen Vorbereitung dieses informellen Kontakts. Zeigen Sie, dass Sie sich intensiv mit der Arbeit des Professors auseinandergesetzt haben. Erklären Sie in Ihrer E-Mail oder im persönlichen Gespräch, warum gerade diese Klasse der richtige Ort für die Weiterentwicklung Ihrer eigenen Arbeit ist. Stellen Sie konkrete Bezüge her und formulieren Sie, wie Ihre Arbeit in einen Dialog mit der künstlerischen Position des Professors treten kann.
Die folgenden Schritte sind eine bewährte Strategie für die erfolgreiche Kontaktaufnahme:
- Recherche: Besuchen Sie Ausstellungen des Professors, lesen Sie Katalogtexte und Interviews gründlich. Verstehen Sie seine künstlerische Entwicklung und seine aktuellen Interessen.
- Kontaktpunkte nutzen: „Rundgänge“ und Jahresausstellungen der Kunsthochschulen sind die beste Gelegenheit für informelle Erstkontakte mit Professoren und deren künstlerischen Mitarbeitern.
- Sprechstunde vereinbaren: Der wichtigste Schritt. Vereinbaren Sie einen offiziellen Sprechstundentermin oder einen Mappenberatungstermin VOR der offiziellen Bewerbungsfrist.
- Portfolio vorbereiten: Senden Sie vorab eine kurze, prägnante E-Mail mit einem Link zu einem gut kuratierten Online-Portfolio.
- Bezüge herstellen: Zeigen Sie in Ihrer Bewerbung und im Gespräch, dass Sie die Arbeit des Professors nicht nur kennen, sondern verstanden haben und eine Verbindung zu Ihrer eigenen künstlerischen Suche sehen.
Dieser strategische Ansatz verwandelt Sie von einem Bittsteller in einen potenziellen Dialogpartner auf Augenhöhe. Sie bewerben sich nicht um einen Platz, sondern Sie schlagen eine Zusammenarbeit vor. Das ist der entscheidende Unterschied, der bei einer extremen Konkurrenz den Ausschlag geben kann.
Häufige Fragen zur Bewerbung an einer Kunsthochschule
Wie bereite ich mich auf das Prüfungsgespräch vor?
Der beste Weg ist die proaktive Kontaktaufnahme. Wenn ein Professor den Bewerber vorher schon kennt, kann er sich aktiv in der Kommission für den Bewerber stark machen. Nach Erfahrung klappt das auch immer: wenn ein Kollege sagt, er möchte einen Bewerber haben, torpedieren die anderen das nicht. Nutzen Sie daher unbedingt Sprechstunden oder Mappenberatungen der Professoren im Vorfeld.
Was erwartet die Kommission im Gespräch?
Die Kommission sucht Diskursfähigkeit und intellektuelle Neugier. Zeigen Sie, dass Sie Ihre Arbeit konzeptuell und kunsthistorisch verorten können. Ein 30-Sekunden „Elevator Pitch“ für Ihr zentrales Thema ist empfehlenswert. Es geht darum zu beweisen, dass Sie ein interessanter Gesprächspartner für die nächsten Jahre sein werden.
Wie gehe ich mit Unsicherheiten um?
Nutzen Sie Unsicherheit produktiv. Eine Aussage wie: „Ich experimentiere hier mit der Grenze zwischen X und Y und bin mir bewusst, dass es ambivalent ist“ zeugt von Reflexion. Die Gegenfrage-Strategie zeigt zudem Lernbereitschaft: „Wie sehen Sie dieses Problem aus Ihrer Perspektive?“ Das signalisiert Offenheit und macht Sie zu einem attraktiven Kandidaten für eine Klasse.
Wie wichtig ist die ‚Passung‘ zur Klasse eines Professors?
Sie ist absolut entscheidend. Ein renommierter Professor sucht keine Kopien seiner selbst, sondern Studierende, deren künstlerische Fragestellungen an seine eigenen andocken können. Ziel ist es, einen produktiven Diskurs in der Klasse zu ermöglichen, der alle Beteiligten weiterbringt. Ihre Bewerbung muss also zeigen, warum genau Sie eine Bereicherung für diesen spezifischen Diskurs wären.