
KI-Kunst schmälert nicht den Wert von Originalen, sondern erzwingt eine präzisere Definition von Wert, Urheberschaft und Authentizität im deutschen Rechtskontext.
- Nach deutschem Recht sind nur Menschen urheberfähig, was KI-Werken einen fundamental anderen Status verleiht.
- Die größte Bedrohung für digitale Kunst ist nicht ein Wertverlust, sondern die digitale Obsoleszenz – ein Problem, das physische Werke nicht haben.
Empfehlung: Künstler und Sammler sollten sich auf die Dokumentation des menschlichen Schaffensprozesses und die physische Einzigartigkeit konzentrieren, da diese Aspekte durch die KI-Revolution an Bedeutung gewinnen.
Ein Klick, ein paar Worte – und schon generiert eine künstliche Intelligenz (KI) ein Bild, das stilistisch an Rembrandt erinnert oder eine futuristische Vision erschafft, die die Grenzen der Vorstellungskraft sprengt. Für Künstler und Sammler, die ihr Leben der handwerklichen Meisterschaft und dem einzigartigen Original gewidmet haben, wirkt diese Entwicklung wie ein Erdbeben. Die Flut an visuell beeindruckenden KI-Bildern von Plattformen wie Midjourney oder DALL-E wirft eine fundamentale Frage auf: Verliert das mühsam geschaffene, handgemalte Unikat in dieser neuen digitalen Ära an Bedeutung und Wert?
Viele Diskussionen kreisen um die altbekannte Idee der „Aura“ des Originals oder vereinfachen die KI als „nur ein weiteres Werkzeug“ wie Pinsel oder Kamera. Doch diese Perspektiven greifen zu kurz. Sie ignorieren die systemischen Verschiebungen, die weit über die reine Ästhetik hinausgehen. Die wahre Revolution findet nicht auf der Leinwand oder dem Bildschirm statt, sondern in den Strukturen, die den Kunstmarkt seit Jahrhunderten stützen: Urheberrecht, Provenienz, Konservierung und die Definition von Authentizität selbst.
Statt in eine Kulturpessimismus-Falle zu tappen, bietet die aktuelle Situation eine Chance. Die Herausforderung durch die Maschine zwingt uns, den Wert des Menschlichen neu und schärfer zu definieren. Es geht nicht darum, ob KI „echte“ Kunst ist, sondern darum, welche neuen Wertesysteme entstehen und wie das traditionelle Kunstwerk seine Position nicht nur verteidigt, sondern sogar stärkt. Dieser Artikel analysiert die tatsächlichen rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland, beleuchtet die Achillesferse der digitalen Kunst – ihre Flüchtigkeit – und zeigt konkrete Strategien auf, wie Künstler und Sammler die KI-Welle navigieren können, um den Wert des Originals zukunftssicher zu machen.
Um die komplexen Zusammenhänge zwischen KI, Kreativität und Marktwert zu verstehen, gliedert sich dieser Artikel in verschiedene Themenschwerpunkte. Die folgende Übersicht führt Sie durch die zentralen Aspekte, von rechtlichen Grundlagen bis hin zu praktischen Strategien für Künstler im digitalen Zeitalter.
Inhaltsverzeichnis: KI-Kunst und der Wert des Originals
- Wem gehört das Bild, wenn der Algorithmus es gemalt hat?
- Museumsbesuch auf der Couch: Kann VR das physische Erlebnis ersetzen?
- NFTs nach dem Crash: Welche digitalen Zertifikate haben noch Bestand?
- Wie rettet man Medienkunst, deren Software seit 20 Jahren veraltet ist?
- Der Fehler, sich nur noch von Instagram-Feeds Kunst empfehlen zu lassen
- Digitale Kunst oder Leinwand: Was wird in 20 Jahren noch Bestand haben?
- Tablet statt Pinsel: Wann ist der Einsatz von iPads didaktisch sinnvoll?
- Wie bauen Sie als Künstler eine Instagram-Präsenz auf, die Verkäufe generiert?
Wem gehört das Bild, wenn der Algorithmus es gemalt hat?
Die zentrale Frage der Urheberschaft ist im Kontext von KI-generierter Kunst der juristische Dreh- und Angelpunkt. Die Antwort darauf ist nach aktueller deutscher Rechtslage erstaunlich klar: Ein rein von einer KI geschaffenes Werk hat keinen Urheber im traditionellen Sinne. Das deutsche Urheberrechtsgesetz (UrhG) basiert auf dem Prinzip der persönlichen geistigen Schöpfung. Das bedeutet, nur ein Mensch kann Schöpfer und damit Urheber sein. Wie Rechtsexperten bestätigen, fallen KI-generierte Werke, bei denen der menschliche Beitrag sich auf die Eingabe von Prompts beschränkt, nicht unter den Urheberrechtsschutz.
Das hat weitreichende Konsequenzen. Ohne Urheberrechtsschutz sind diese Bilder im Grunde genommen gemeinfrei und können von jedermann genutzt werden, was ihre Exklusivität und damit ihren potenziellen Marktwert drastisch reduziert. Dies bildet eine fundamentale Abgrenzung zum handgemalten Original, dessen Einzigartigkeit und Schöpfer-Bindung rechtlich zementiert ist. Der Wert eines Originals speist sich nicht nur aus seiner Ästhetik, sondern maßgeblich aus dem nachweisbaren Schöpfungsakt einer bestimmten Künstlerpersönlichkeit.
Auf europäischer Ebene wird diese Thematik ebenfalls adressiert, wenn auch mit einem Fokus auf Transparenz. Die EU zielt darauf ab, die Nutzer vor Täuschung zu schützen. So fordert die neue KI-Verordnung eine klare Kennzeichnungspflicht für Deepfakes und KI-generierte Inhalte.
Laut Art. 50 Abs. 5 KI-Verordnung ist es erforderlich, dass spätestens zum Zeitpunkt der ersten Interaktion oder Aussetzung in klarer und eindeutiger Weise die entsprechende Information über die KI-Generierung bereitgestellt werden muss.
– Europäische KI-Verordnung, EU AI Act 2024
Diese Transparenzpflicht stärkt indirekt die Position des analogen Originals. Während KI-Werke als solche identifizierbar gemacht werden müssen, bleibt die Authentizität eines physischen Kunstwerks unangefochten und wird im Kontrast dazu sogar noch deutlicher wahrnehmbar.
Museumsbesuch auf der Couch: Kann VR das physische Erlebnis ersetzen?
Mit der zunehmenden Digitalisierung stellt sich die Frage, ob virtuelle Realität (VR) und digitale Ausstellungen den traditionellen Museumsbesuch obsolet machen könnten. Die Antwort lautet: Eher nein. Statt einer Ersetzung findet eine Erweiterung und Ergänzung des Kunsterlebnisses statt. Virtuelle Räume bieten neue Möglichkeiten der Interaktion und Zugänglichkeit, können aber die sinnliche und soziale Erfahrung eines physischen Raumes nicht vollständig replizieren. Der Geruch der Ölfarbe, die Textur der Leinwand, das Spiel des Lichts auf einer Skulptur und das gemeinsame Erleben mit anderen Besuchern bleiben dem physischen Besuch vorbehalten.
Institutionen in Deutschland nutzen diese Technologien bereits, um neue Zugänge zur Kunst zu schaffen, ohne das Original zu entwerten. Ein hervorragendes Beispiel dafür sind interaktive Installationen, bei denen die digitale und die physische Welt verschmelzen.
Fallbeispiel: Kunsthalle München & Miguel Chevalier
Die Kunsthalle München präsentiert generative Rauminstallationen des Künstlers Miguel Chevalier, bei denen Algorithmen live und kontinuierlich neue Bilderwelten erschaffen. In der Installation „In Vitro Pixel Flowers“ können Besucher – sowohl vor Ort durch ihre Bewegungen als auch online – mit virtuellen Blüten interagieren und den kreativen Prozess direkt beeinflussen. Dies zeigt, wie digitale Kunst nicht als Konkurrenz, sondern als interaktive Erweiterung des Museumserlebnisses fungieren kann, die neue Besuchergruppen anzieht.
Die folgende Abbildung illustriert, wie ein solches immersives Erlebnis aussehen kann, bei dem der Betrachter Teil des Kunstwerks wird.

Diese Entwicklungen zeigen, dass die digitale Sphäre den Wert des Originals nicht mindert, sondern seinen Status als auratischen Referenzpunkt sogar festigt. Das digitale Erlebnis weckt die Neugier und kann den Wunsch nach der Begegnung mit dem physischen Original erst recht verstärken. Es ist keine Entweder-oder-Entscheidung, sondern eine Koexistenz, die das gesamte Ökosystem Kunst bereichert.
NFTs nach dem Crash: Welche digitalen Zertifikate haben noch Bestand?
Der Hype um Non-Fungible Tokens (NFTs) erreichte 2021 einen spektakulären Höhepunkt, gefolgt von einem ebenso dramatischen Markteinbruch. Für viele war dies das Ende der Idee, digitale Kunstwerke als werthaltige Assets zu betrachten. Doch diese Sichtweise verkennt den eigentlichen technologischen Kern: die Blockchain als dezentrales Register für Authentizitäts- und Eigentumsnachweise. Während der spekulative Markt für simple JPEGs kollabiert ist, bleibt die Notwendigkeit, die Provenienz und Einzigartigkeit eines digitalen Werks zu zertifizieren, relevanter denn je – insbesondere für komplexe, generative KI-Kunst.
Frühe Auktionen haben gezeigt, dass der Markt bereit ist, für konzeptuell starke digitale Kunst hohe Preise zu zahlen, wenn die Einzigartigkeit garantiert werden kann. So erzielte das KI-generierte „Portrait of Edmond de Belamy“ bei Christie’s einen Preis, der die Schätzungen um ein Vielfaches übertraf. Wie das ZDF berichtete, wurde das Werk für 432.000 US-Dollar verkauft, obwohl der Wert nur auf 7.000 bis 10.000 US-Dollar geschätzt worden war. Dies signalisierte eine tektonische Verschiebung in der Marktwahrnehmung.
Fallbeispiel: Sotheby’s & Mario Klingemanns generative Kunst
Ein wegweisendes Beispiel ist Mario Klingemanns Werk „Memories of Passersby I“, das 2019 bei Sotheby’s für rund 50.000 US-Dollar versteigert wurde. Das Werk ist keine statische Bilddatei, sondern eine Konsole, auf der eine KI in Echtzeit unendlich neue Porträts im Stil des 17. Jahrhunderts generiert. Der Wert liegt hier nicht im einzelnen Bild, sondern im einzigartigen, autonomen Schaffensprozess des Algorithmus. Ein NFT dient hier als perfektes Instrument, um das Eigentum an diesem singulären generativen System zu verbriefen.
Nach dem Crash hat sich der Fokus von rein spekulativen Bildchen hin zu NFTs verschoben, die einen realen Nutzen bieten: als Echtheitszertifikat für physische Objekte, als Zugangsschlüssel zu exklusiven Communities oder eben als Eigentumsnachweis für komplexe digitale Kunstinstallationen. Die Technologie bleibt ein entscheidendes Werkzeug zur Lösung des Problems der unendlichen Kopierbarkeit im digitalen Raum und stärkt somit die Möglichkeit, auch für digitale Kunst einen Sammlermarkt zu etablieren.
Wie rettet man Medienkunst, deren Software seit 20 Jahren veraltet ist?
Die größte, oft übersehene Gefahr für den langfristigen Wert digitaler und KI-basierter Kunst ist nicht ihre Akzeptanz, sondern ihre physische und technologische Vergänglichkeit. Ein Ölgemälde kann bei richtiger Pflege Jahrhunderte überdauern. Ein digitales Kunstwerk, das auf einer spezifischen Software von 2004 läuft, ist heute möglicherweise schon unzugänglich. Dieses Problem der digitalen Obsoleszenz ist die Achillesferse des digitalen Kunstmarktes. Veraltete Betriebssysteme, nicht mehr unterstützte Dateiformate oder defekte Hardware können ein Kunstwerk unwiederbringlich zerstören.
Für Sammler und Institutionen bedeutet dies eine immense Herausforderung. Der Kauf eines digitalen Kunstwerks ist immer auch eine Verpflichtung zur technologischen Wartung. Anders als bei einem Gemälde, das eine relativ stabile materielle Form hat, ist digitale Kunst ein prozessuales Ereignis, das ständig neu aufgeführt werden muss. Die Konservierung erfordert daher völlig neue Strategien, die weit über die Kontrolle von Luftfeuchtigkeit und Temperatur hinausgehen. Es ist ein aktiver Prozess der Emulation, Migration und ständigen Dokumentation.
Dieser Aspekt unterstreicht den Wert des traditionellen, physischen Kunstwerks auf paradoxe Weise. Dessen materielle Beständigkeit und relative technologische Unabhängigkeit erscheinen im Zeitalter der digitalen Flüchtigkeit als ein unschätzbarer Vorteil. Ein handgemaltes Original ist ein abgeschlossenes, stabiles Objekt, dessen Erhaltung zwar Aufwand erfordert, aber auf jahrhundertelang erprobten Methoden beruht. Die Bewahrung digitaler Kunst ist hingegen ein Wettlauf gegen die Zeit und den technologischen Fortschritt.
Aktionsplan zur Rettung digitaler Kunstwerke: Punkte zur Überprüfung
- Emulation: Prüfen, ob die ursprüngliche Software- und Hardwareumgebung auf modernen Computersystemen simuliert werden kann, um das Werk originalgetreu darzustellen.
- Migration: Evaluieren, ob das Kunstwerk auf eine neue, zukunftssichere Plattform oder ein neues Dateiformat übertragen werden kann, ohne die künstlerische Intention zu verfälschen.
- Re-Interpretation: In Absprache mit dem Künstler oder Nachlass prüfen, ob eine Neuinterpretation des Werkes mit aktuellen Technologien möglich ist, die den Kern des Konzepts bewahrt.
- Dokumentation: Sicherstellen, dass alle technischen Spezifikationen, der Quellcode, die Betriebsanleitungen und künstlerischen Entscheidungen lückenlos archiviert sind.
Die Komplexität der digitalen Konservierung macht deutlich, dass der Besitz digitaler Kunst mit erheblichen Folgekosten und -risiken verbunden ist, was die Investition in physische Originale für viele Sammler als sicherere Wertanlage erscheinen lässt.
Der Fehler, sich nur noch von Instagram-Feeds Kunst empfehlen zu lassen
Soziale Medien wie Instagram sind für Künstler zu einem unverzichtbaren Werkzeug für Sichtbarkeit und Vermarktung geworden. Gleichzeitig birgt die algorithmische Kuratierung dieser Plattformen eine subtile Gefahr: die Homogenisierung des Geschmacks und die Entstehung von ästhetischen Filterblasen. Der Algorithmus bevorzugt Inhalte, die schnell viel Interaktion erzeugen – oft sind das visuell gefällige, leicht verdauliche und global verständliche Motive. Spezifische, nischenorientierte oder konzeptuell anspruchsvolle Kunst hat es schwerer, sich durchzusetzen.
Für Sammler und Kunstinteressierte bedeutet dies, dass der Instagram-Feed ein zunehmend verzerrtes Bild des tatsächlichen Kunstgeschehens zeichnet. Trends werden überrepräsentiert, während lokale Kunstszenen oder avantgardistische Strömungen unter dem Radar bleiben. Dies führt zu einer globalisierten Ästhetik, die die kulturelle Vielfalt bedroht.
Der Instagram-Algorithmus tendiert zu einer globalisierten Ästhetik und kann damit die Wahrnehmung spezifischer deutscher Kunstströmungen verzerren.
– Monopol Magazin, Monopol – Magazin für Kunst und Leben
Die visuelle Darstellung von algorithmischen Mustern kann helfen, dieses abstrakte Konzept zu verstehen. Die Kristalle in der folgenden Abbildung symbolisieren, wie Datenpunkte zu einem starren Muster geformt werden, das alternative Perspektiven ausblendet.

Für Künstler bedeutet dies, dass eine reine Optimierung für den Algorithmus langfristig in die kreative Sackgasse führen kann. Für Sammler ist es ein Weckruf, sich nicht allein auf soziale Medien zu verlassen, sondern aktiv Galerien zu besuchen, Ateliergespräche zu führen und Fachmagazine zu lesen, um ein authentisches und diverses Bild des Kunstmarktes zu erhalten. Gerade das physische Original, abseits der digitalen Glättung, behält so seine Rolle als Korrektiv und authentischer Ausdruck einer einzigartigen künstlerischen Vision.
Digitale Kunst oder Leinwand: Was wird in 20 Jahren noch Bestand haben?
Die Frage nach der Langlebigkeit ist für Sammler und Investoren von zentraler Bedeutung. Handelt es sich bei KI-Kunst um einen flüchtigen Trend oder um eine etablierte Kunstform mit langfristigem Wertpotenzial? Die ökonomischen Prognosen deuten auf Letzteres hin. Laut der ersten deutschlandweiten Studie der Stiftung Kunstfonds werden allein in Deutschland für das Jahr 2030 Umsätze von 2 Milliarden Euro mit KI-Bildgeneratoren erwartet. Dies zeigt, dass digitale Kunst als Wirtschaftsfaktor ernst genommen wird.
Dennoch bleiben fundamentale Unterschiede in der Werterhaltung bestehen, die eine direkte Gegenüberstellung erforderlich machen. Die folgende Tabelle vergleicht digitale KI-Kunst mit der traditionellen Leinwand anhand entscheidender Kriterien für die langfristige Wertbeständigkeit.
| Kriterium | Digitale/KI-Kunst | Traditionelle Leinwand |
|---|---|---|
| Beständigkeit | Abhängig von Technologie und Datenträgern | Jahrhundertelange Haltbarkeit bei richtiger Konservierung |
| Aura des Originals | Unendliche Reproduzierbarkeit | Einzigartigkeit des physischen Werks |
| CO2-Bilanz | Hoher Energieverbrauch für Training und Serverfarmen | Umweltbelastung durch Lösungsmittel und Pigmente |
| Marktakzeptanz Deutschland | Wachsend, aber mit Skepsis | Etabliert, besonders bei traditionellen Sammlern |
Die Gegenüberstellung macht deutlich, dass beide Kunstformen ihre Berechtigung und ihre spezifischen Vor- und Nachteile haben. Der entscheidende Punkt ist, dass die KI-Kunst die Wertkriterien für traditionelle Kunst nicht ersetzt, sondern ergänzt und schärft. Die Einzigartigkeit, die physische Präsenz und die nachweisbare menschliche Schöpfung eines Leinwandgemäldes werden im Angesicht der unendlichen Reproduzierbarkeit und technologischen Abhängigkeit digitaler Kunst zu noch härteren Währungen. In 20 Jahren werden voraussichtlich beide Formen existieren, sich aber in unterschiedlichen Marktsegmenten mit unterschiedlichen Sammlertypen etabliert haben.
Tablet statt Pinsel: Wann ist der Einsatz von iPads didaktisch sinnvoll?
Die Debatte „digital vs. analog“ wird auch in der künstlerischen Ausbildung intensiv geführt. Ist das iPad ein vollwertiger Ersatz für den traditionellen Skizzenblock und die Leinwand? Didaktisch betrachtet lautet die Antwort: Es kommt auf das Ziel an. Digitale Werkzeuge wie Tablets bieten unbestreitbare Vorteile im Bereich der Ideenfindung und schnellen Visualisierung. Konzepte können in Sekundenschnelle skizziert, Farben geändert und Kompositionen getestet werden, ohne Material zu verbrauchen. Die Möglichkeit, jeden Schritt rückgängig zu machen, senkt die Hemmschwelle und fördert die Experimentierfreude.
Eine Studie der Initiative Urheberrecht zeigt, wie tief digitale Werkzeuge bereits im Schaffensprozess verankert sind: 42% der befragten Künstler:innen in Deutschland haben bereits eigene Erfahrungen mit KI gemacht, und die Hälfte von ihnen nutzt diese Tools gezielt für die Ideenfindung. Das Tablet wird so zur digitalen Erweiterung des Skizzenbuchs.
Allerdings darf der didaktische Wert traditioneller Techniken nicht unterschätzt werden. Das Arbeiten mit physischen Materialien schult ein fundamental anderes Verständnis für die Kunst. Das Gefühl für den Widerstand des Pinsels auf der Leinwand, die Art, wie sich Pigmente mischen, oder die Haptik von Ton oder Holz sind sinnliche Erfahrungen, die für die Entwicklung einer künstlerischen Handschrift essenziell sind. Ein rein digital ausgebildeter Künstler läuft Gefahr, dieses materielle Verständnis zu verlieren.
An deutschen Kunsthochschulen spiegelt sich dieses Spannungsfeld wider. Institutionen wie die Kunstakademie Düsseldorf sind für ihre traditionellen Malklassen berühmt, während Universitäten wie die UdK Berlin starke Fachbereiche für Neue Medien haben. Der ideale didaktische Ansatz ist daher kein Entweder-oder, sondern eine hybride Ausbildung, die digitale Effizienz mit analoger Tiefe verbindet. Das Tablet dient der schnellen Konzeption, der Pinsel der materiellen Umsetzung. So lernen Künstler, das Beste aus beiden Welten zu nutzen.
Das Wichtigste in Kürze
- Rechtliche Klarheit in Deutschland: Nur Menschen können Urheber sein. Dies gibt handgemachten Originalen einen uneinholbaren rechtlichen und konzeptionellen Vorsprung gegenüber rein KI-generierten Bildern.
- Die Achillesferse ist die Vergänglichkeit: Die größte Gefahr für digitale Kunst ist nicht ein Mangel an Wert, sondern die technologische Obsoleszenz. Die materielle Beständigkeit eines physischen Originals wird dadurch zu einem noch stärkeren Wertargument.
- Fokus auf das Menschliche: Die KI-Revolution zwingt Künstler und Sammler, den Wert des menschlichen Schaffensprozesses, der einzigartigen Handschrift und der physischen Präsenz neu zu bewerten und zu betonen.
Wie bauen Sie als Künstler eine Instagram-Präsenz auf, die Verkäufe generiert?
Für Künstler ist Instagram Chance und Herausforderung zugleich. In einer Welt, die von KI-generierten Bildern überschwemmt wird, reicht es nicht mehr aus, nur das fertige Werk zu posten. Eine erfolgreiche Präsenz, die tatsächliche Verkäufe generiert, muss die menschliche Geschichte hinter der Kunst in den Mittelpunkt stellen. Die Angst, von der KI verdrängt zu werden, ist real: Gemäß der deutschlandweiten Studie „KI und bildende Kunst“ befürchten 56% der befragten Künstler:innen, dass durch KI Einnahmequellen wegfallen könnten.
Die strategische Antwort darauf ist die bewusste Betonung der Differenzierung. Zeigen Sie den Prozess, nicht nur das Produkt. Videos, die Ihre Pinselstriche festhalten, Fotos aus dem Atelier, die das kreative Chaos zeigen, oder Texte, die Ihre konzeptionellen Überlegungen erläutern – all das sind Elemente, die ein Algorithmus nicht replizieren kann. Es geht darum, eine authentische Marke um Ihre Person und Ihre einzigartige handwerkliche Fähigkeit aufzubauen. Sammler kaufen nicht nur ein Bild, sie investieren in die Vision und die Geschichte eines Künstlers.
Zudem wird Transparenz immer wichtiger. Viele Plattformen reagieren auf die Flut KI-generierter Inhalte mit Kennzeichnungspflichten. Wie die Rechtsexpertin Sophie Hartmann, LL.M., von Prigge Rechtsanwälte hervorhebt, verlangen Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube explizit eine Kennzeichnung, wenn KI-generierte Inhalte verwendet werden. Dies bietet eine Chance für Künstler, die ausschließlich analog arbeiten: Sie können ihre Werke proaktiv als „100% handgemacht“ oder „ohne KI-Einsatz geschaffen“ labeln und dies als Qualitätsmerkmal und Verkaufsargument nutzen.
Anstatt zu versuchen, mit der perfekten, aber seelenlosen Ästhetik der KI zu konkurrieren, sollten Künstler ihre Social-Media-Strategie darauf ausrichten, die Unvollkommenheiten, die Emotionen und die physische Realität ihres Schaffensprozesses zu zelebrieren. Dies schafft eine tiefere Verbindung zum Publikum und zieht Sammler an, die genau diesen menschlichen Faktor suchen.
Beginnen Sie noch heute damit, Ihre einzigartige menschliche Handschrift nicht als Nachteil, sondern als Ihr wertvollstes Kapital im digitalen Zeitalter zu positionieren und dies gezielt zu kommunizieren.
Häufig gestellte Fragen zu Wie verändert KI-generierte Kunst den Wert handgemalter Originale?
Welche Vorteile bietet das iPad im Kunstunterricht?
Schnelle Visualisierung von Ideen, unendliche Rückgängig-Funktion, Zugang zu diversen digitalen Werkzeugen und Techniken, einfache Dokumentation des kreativen Prozesses.
Was sind die Nachteile digitaler Werkzeuge im Vergleich zu traditionellen?
Verlust des haptischen Verständnisses für Material und Textur, Abhängigkeit von Technologie, fehlende physische Resistenz des Materials.
Wie integrieren deutsche Kunsthochschulen digitale Medien?
Es existiert ein Spannungsfeld zwischen traditionellen Malklassen (z.B. Kunstakademie Düsseldorf) und Klassen für Neue Medien (z.B. UdK Berlin). Die Integration erfolgt fachspezifisch sehr unterschiedlich und wird kontrovers diskutiert.