
Der Schlüssel zum Kunstverkauf auf Instagram liegt nicht in perfekten Bildern, sondern in der strategischen Inszenierung Ihrer kreativen Reise.
- Machen Sie Follower zu Teilhabern Ihres Prozesses, um eine tiefere Kaufbereitschaft zu wecken.
- Schützen Sie sich mit einer eigenen Website vor Algorithmus-Änderungen und erlangen Sie volle Datenhoheit.
Empfehlung: Fokussieren Sie Ihre Content-Strategie auf das „Prozess-Narrativ“ – zeigen Sie die Entstehung, nicht nur das Ergebnis.
Viele Künstler stehen vor derselben frustrierenden Herausforderung: Sie posten regelmäßig ästhetisch ansprechende Bilder ihrer Werke auf Instagram, doch die Verkäufe bleiben aus. Der Algorithmus scheint ein undurchschaubares Mysterium, und die Reichweite stagniert. Die üblichen Ratschläge – „poste konsistent“, „nutze die richtigen Hashtags“, „interagiere mehr“ – fühlen sich wie ein endloses Hamsterrad an, das mehr Zeit frisst, als es Einnahmen generiert. Man fragt sich, ob der Aufwand überhaupt lohnt und wie man aus der Masse der visuellen Reize herausstechen kann.
Doch was, wenn der Denkfehler nicht in der Frequenz oder der Qualität der Posts liegt, sondern in der Perspektive? Was, wenn die eigentliche Währung auf Instagram nicht das polierte Endprodukt ist, sondern die geteilte Erfahrung des kreativen Schaffensprozesses? Der entscheidende Wandel passiert, wenn Sie aufhören, nur Bilder zu posten, und anfangen, ein Prozess-Narrativ zu erzählen. Es geht darum, Follower von passiven Betrachtern zu emotional involvierten Unterstützern zu machen, die nicht nur ein Kunstwerk, sondern die Geschichte und die Arbeit dahinter erwerben wollen.
Dieser strategische Ansatz verwandelt Ihren Account von einer digitalen Visitenkarte in eine lebendige Galerie, in der jede Story und jedes Reel die Wertschätzung und damit die Kaufbereitschaft steigert. Gleichzeitig erfordert der Sprung in die kommerzielle Nutzung eine Auseinandersetzung mit entscheidenden strategischen und rechtlichen Fragen in Deutschland – von der Wahl der richtigen Verkaufsplattform bis zur Absicherung gegen teure Abmahnungen. Dieser Artikel ist Ihr taktischer Leitfaden, um genau diese Brücke zu schlagen: von der kreativen Sichtbarkeit zur kommerziellen Souveränität.
Dieser Leitfaden ist in präzise, strategische Abschnitte unterteilt. Jeder Teil beleuchtet einen entscheidenden Aspekt, um Ihre Instagram-Präsenz von einer reinen Ausstellung in einen funktionierenden Verkaufskanal zu verwandeln. Entdecken Sie, wie Sie Ihre Geschichte erzählen, Ihre Daten kontrollieren und rechtliche Fallstricke vermeiden.
Inhaltsverzeichnis: Instagram als strategisches Verkaufstool für Künstler
- Warum verkauft sich das Bild besser, wenn Sie den Entstehungsprozess zeigen?
- Eigene Domain oder nur Insta: Wo liegt Ihre Hoheit über die Daten?
- Etsy, Saatchi oder Artfinder: Welche Plattform passt zu Ihrer Preisklasse?
- Der Fehler auf Ihrer Website, der zu teuren Abmahnungen führt
- Wann und wie reagieren Sie auf negative Kommentare unter Ihrer Kunst?
- Der Fehler, sich nur noch von Instagram-Feeds Kunst empfehlen zu lassen
- Wann und wie schreiben Sie einem Galeristen nach der Vernissage?
- Wie verändert KI-generierte Kunst den Wert handgemalter Originale?
Warum verkauft sich das Bild besser, wenn Sie den Entstehungsprozess zeigen?
Ein fertiges Kunstwerk auf Instagram zu posten ist, als würde man nur das letzte Kapitel eines Buches zeigen. Es mag schön sein, aber es fehlt der Kontext, die Emotion und die investierte Arbeit. Der wahre Wert für einen Sammler entsteht oft nicht allein durch die Ästhetik, sondern durch die Verbindung zum Künstler und seiner Vision. Indem Sie den Entstehungsprozess dokumentieren, schaffen Sie genau dieses narrative Band. Sie transformieren ein statisches Bild in eine dynamische Geschichte.
Dieses „Prozess-Narrativ“ bedient einen fundamentalen psychologischen Mechanismus: Menschen kaufen von Menschen, denen sie vertrauen und mit denen sie sich verbunden fühlen. Zeitraffer-Videos, Detailaufnahmen von Pinselstrichen oder Stories aus dem Atelier sind keine bloßen „Behind-the-Scenes“-Einblicke. Sie sind Beweise für Ihr Können, Ihre Hingabe und die Einzigartigkeit Ihrer Technik. Der Künstler David Ambarzumjan, der Instagram als virtuellen Galerieraum nutzt, bringt es auf den Punkt: „Die Zuschauer sehen, wie der Künstler arbeitet und seine Gedanken hinter den Bildern. So haben sie die Chance, nicht nur die Kunst, sondern auch den Künstler kennenzulernen.“
Diese Transparenz schafft nicht nur eine emotionale Bindung, sondern auch eine höhere Wertwahrnehmung. Ein Werk, dessen stundenlange Entstehung miterlebt wurde, wird nicht mehr nur als dekoratives Objekt wahrgenommen, sondern als das Ergebnis eines tiefgründigen, menschlichen Schaffensaktes. Die Daten unterstützen diesen Ansatz: Laut einer HubSpot-Analyse sehen sich 67 % der Nutzenden Instagram-Story-Formate von Marken an, und bei 62 % führt dies zu einem gesteigerten Interesse am Produkt oder der Marke. Für Künstler bedeutet das: Ihr Prozess ist Ihr stärkstes Marketing-Tool.
Eigene Domain oder nur Insta: Wo liegt Ihre Hoheit über die Daten?
Sich ausschließlich auf Instagram zu verlassen, ist wie ein prächtiges Atelier auf gemietetem Grund zu errichten. Sie haben keine Kontrolle über die „Mietbedingungen“ (den Algorithmus), die „Hausordnung“ (die Nutzungsbedingungen) oder das Risiko, dass der „Vermieter“ (Meta) Ihnen über Nacht den Zugang sperrt. Ein gesperrter Account bedeutet den Totalverlust Ihrer über Jahre aufgebauten Community und Ihres wichtigsten Verkaufskanals. Die entscheidende Frage lautet daher: Wem gehören Ihre Daten und Ihre Kundenbeziehungen?
Hier kommt das Konzept der Datenhoheit ins Spiel, das im deutschen Rechtsraum durch die DSGVO eine besondere Dringlichkeit besitzt. Auf Instagram gehören alle Daten Meta. Auf Ihrer eigenen Website gehören sie Ihnen. Dies hat weitreichende Konsequenzen für Ihre unternehmerische Sicherheit und Ihre strategischen Möglichkeiten. Ein E-Mail-Newsletter, der über Ihre eigene Website aufgebaut wird, ist eine „digitale Altersvorsorge“ – eine direkte, vom Algorithmus unabhängige Verbindung zu Ihren treuesten Sammlern.
Der folgende Vergleich macht die strategischen Unterschiede deutlich und zeigt, warum eine Hybridstrategie – Instagram als „Vernissage“ zur Aufmerksamkeitsgenerierung und die eigene Website als „Galerie“ für den Verkauf und die Datenpflege – der Goldstandard ist.
| Aspekt | Instagram allein | Eigene Domain | Empfohlene Strategie |
|---|---|---|---|
| Datenhoheit | Keine – Meta besitzt alle Daten | Vollständige Kontrolle | Domain als Zentrale nutzen |
| DSGVO-Konformität | Eingeschränkt möglich | Vollständig umsetzbar | Newsletter über eigene Website |
| Accountsperrung | Totalverlust möglich | Unveräußerlicher Vermögenswert | E-Mail-Liste als ‚digitale Altersvorsorge‘ |
| Algorithmus-Abhängigkeit | 100% abhängig | 0% abhängig | Instagram als ‚Vernissage‘, Website als ‚Galerie‘ |
| Verkaufsprovision | Meta-Shopping-Gebühren | Keine Plattformgebühren | Instagram für Aufmerksamkeit, Website für Verkauf |
Die eigene Website ist somit kein „Entweder-oder“, sondern die strategische Basis für Ihre Algorithmus-Resilienz. Sie sichert Ihr Geschäft ab und ermöglicht Ihnen, die auf Instagram gewonnene Aufmerksamkeit in nachhaltige, kontrollierbare Kundenbeziehungen und Verkäufe umzuwandeln.
Etsy, Saatchi oder Artfinder: Welche Plattform passt zu Ihrer Preisklasse?
Sobald Sie Traffic von Instagram auf eine Verkaufsplattform leiten, stehen Sie vor der nächsten strategischen Entscheidung. Die Wahl der Plattform ist weit mehr als eine technische Frage; sie ist ein entscheidender Teil Ihres Brandings und positioniert Ihre Kunst in einem bestimmten Preissegment und Qualitätskontext. In Deutschland, wo laut einer Erhebung von Hootsuite 29,85 Millionen Menschen Instagram nutzen, ist das Potenzial riesig, aber die Konkurrenz ebenso. Die falsche Plattform kann Ihre Marke abwerten oder eine Zielgruppe ansprechen, die nicht bereit ist, Ihren Preis zu zahlen.
Etsy wird oft mit Handwerk und niedrigeren Preispunkten assoziiert, was für Drucke oder kleinere Arbeiten ideal sein kann, aber den Wert eines hochpreisigen Originals möglicherweise untergräbt. Plattformen wie Saatchi Art oder Artfinder hingegen kuratieren stärker und ziehen ein internationales Sammlerpublikum an, das höhere Preise gewohnt ist. Hier ist es wichtig, die eigene Preisklasse realistisch einzuschätzen und die Markenwahrnehmung der Plattform in Ihrer Zielgruppe zu analysieren.

Darüber hinaus sind für Künstler in Deutschland spezifische Faktoren zu berücksichtigen. Prüfen Sie die Gebührenstruktur genau: Wie werden Provisionen, Listing-Gebühren und vor allem die Mehrwertsteuer gehandhabt? Ein entscheidender Punkt ist die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG. Nicht alle internationalen Plattformen sind darauf ausgelegt, was zu buchhalterischen Komplikationen führen kann. Es lohnt sich auch, DACH-relevante Alternativen wie Singulart oder Articurate zu evaluieren, die oft besser auf den lokalen Markt zugeschnitten sind.
Der Fehler auf Ihrer Website, der zu teuren Abmahnungen führt
Sobald Sie eine eigene Künstlerwebsite betreiben, um Ihre Datenhoheit zu sichern und Kunst zu verkaufen, betreten Sie in Deutschland ein juristisches Minenfeld. Schon das Platzieren eines Affiliate-Links oder die reine Absicht, Werke zu verkaufen, kann Ihre Seite als „gewerblich“ einstufen. Damit unterliegen Sie strengen gesetzlichen Vorschriften. Der häufigste und teuerste Fehler ist die Vernachlässigung des Impressums und der Datenschutzerklärung. Eine Nachlässigkeit hier kann schnell zu einer kostspieligen Abmahnung führen.
Ein fehlendes oder unvollständiges Impressum ist kein Kavaliersdelikt. Es ist einer der häufigsten Abmahngründe im deutschen E-Commerce. Laut dem Rechtsportal eRecht24 kann eine Abmahnung wegen eines fehlenden Impressums zwischen 100 und 1.000 Euro kosten, zuzüglich der Anwaltskosten, die oft noch höher ausfallen. Das Impressum muss eine „ladungsfähige Anschrift“ enthalten – ein Postfach reicht nicht aus. Für Künstler, die ihre Privatadresse schützen möchten, kann dies eine Herausforderung sein, für die es jedoch professionelle C/O-Adress-Services gibt.
Die drei häufigsten Abmahnfallen für Künstler-Websites
Eine Analyse von Anwaltskanzleien wie advocado zeigt ein klares Muster bei Abmahnungen für kreativ-gewerbliche Websites. Die Top 3 der vermeidbaren Fehler sind: 1. Unvollständiges Impressum, insbesondere das Fehlen einer ladungsfähigen Anschrift oder der zuständigen Aufsichtsbehörde bei reglementierten Tätigkeiten. 2. Fehlende oder veraltete Datenschutzerklärung, die nicht den Anforderungen der DSGVO entspricht, insbesondere bei der Nutzung von Analyse-Tools. 3. Rechtswidrige Einbindung externer Dienste wie Google Fonts direkt vom Google-Server oder die Nutzung von Social-Media-Like-Buttons ohne eine Zwei-Klick-Lösung oder ein entsprechendes Cookie-Consent-Banner. Diese Einbindungen leiten ohne Einwilligung Nutzerdaten weiter und stellen einen klaren Verstoß dar.
Neben dem Impressum ist eine aktuelle, DSGVO-konforme Datenschutzerklärung unerlässlich. Sie muss detailliert darüber aufklären, welche Daten Sie wie und warum verarbeiten. Die Nutzung von Analyse-Tools wie Google Analytics, die Einbindung von YouTube-Videos oder sogar die Verwendung von Social-Media-Buttons erfordern eine explizite Einwilligung des Nutzers über ein Cookie-Consent-Tool. Ignorieren Sie diese Pflichten, setzen Sie sich einem erheblichen finanziellen Risiko aus, das den Ertrag Ihrer Kunstverkäufe schnell zunichtemachen kann.
Wann und wie reagieren Sie auf negative Kommentare unter Ihrer Kunst?
Negative Kommentare sind unvermeidlich, sobald Ihre Kunst eine größere Sichtbarkeit erreicht. Sie reichen von unqualifizierter Kritik („Das kann mein 5-jähriger auch“) bis hin zu persönlichen Angriffen. Die Art und Weise, wie Sie darauf reagieren, ist ein entscheidender Teil Ihres professionellen Markenauftritts. Eine impulsive, defensive Reaktion kann mehr Schaden anrichten als der ursprüngliche Kommentar. Der Schlüssel liegt in einer strategischen, deeskalierenden Herangehensweise – einer kontextuellen Konversation.
Zuerst gilt es, zu differenzieren: Handelt es sich um konstruktive Kritik, einen Troll oder schlichte Beleidigung? Auf Beleidigungen und Spam reagiert man am besten mit Löschen und Blockieren. Hier gibt es keine Diskussionsgrundlage. Bei destruktiver, aber nicht beleidigender Kritik („hässlich“, „langweilig“) ist oft Ignorieren die souveränste Reaktion. Jede Antwort würde dem Kommentar nur mehr Gewicht und Sichtbarkeit verleihen.

Interessant wird es bei missverstandener oder scheinbar konstruktiver Kritik. Hier bietet sich die Chance, Professionalität zu beweisen. Eine gute Strategie ist das „Acknowledge & Reframe“-Prinzip.
- Acknowledge (Anerkennen): Beginnen Sie mit einer neutralen Anerkennung des Feedbacks. „Danke für deine Perspektive“ oder „Interessanter Punkt, den du da ansprichst.“ Das nimmt dem Gegenüber den Wind aus den Segeln.
- Reframe (Neu einordnen): Anstatt sich zu verteidigen, nutzen Sie die Gelegenheit, um Ihr Prozess-Narrativ zu stärken. Beispiel: Auf „Die Farben sind aber sehr düster“ könnten Sie antworten: „Danke für den Hinweis. Die Wahl der reduzierten Farbpalette war eine bewusste Entscheidung, um das Gefühl von X auszudrücken.“ Sie rechtfertigen sich nicht, Sie erklären Ihre künstlerische Absicht.
Diese souveräne Haltung verwandelt einen potenziellen Konflikt in eine Demonstration Ihrer künstlerischen Vision. Sie zeigen, dass Sie über der reinen Subjektivität des Geschmacks stehen und mit klarer Intention arbeiten. Das stärkt das Vertrauen potenzieller Käufer mehr als hundert positive, aber nichtssagende Kommentare.
Der Fehler, sich nur noch von Instagram-Feeds Kunst empfehlen zu lassen
Der Instagram-Algorithmus ist ein mächtiges Werkzeug, birgt aber eine subtile Gefahr: die Schaffung einer kreativen Echokammer. Er lernt, was Ihnen gefällt, und zeigt Ihnen immer mehr davon. Während dies kurzfristig inspirierend wirken kann, führt es langfristig zu einer Verengung des visuellen Horizonts. Sie sehen nur noch Variationen dessen, was bereits populär ist. Echte Innovation und eine einzigartige künstlerische Handschrift entstehen jedoch oft durch die Konfrontation mit dem Unerwarteten und dem Fremden.
Sich ausschließlich auf den Feed als Inspirationsquelle zu verlassen, fördert die unbeabsichtigte Nachahmung von Trends und untergräbt die Entwicklung einer authentischen Stimme. Es ist der digitale Weg in die kreative Mittelmäßigkeit. Wie die Social Media Akademie treffend bemerkt, ist einer der Effekte von Social Media die „Demokratisierung der Kunst“, aber diese Demokratisierung kann auch zu einer Homogenisierung führen, wenn man sich nicht aktiv dagegen wehrt. Der strategische Ausbruch aus dieser Blase ist daher eine Notwendigkeit für jeden ernsthaften Künstler.
Planen Sie bewusst „analoge Brüche“ und suchen Sie aktiv nach alternativen Inspirationsquellen jenseits des Algorithmus. Besuchen Sie Flohmärkte, um unerwartete Texturen und Farbkombinationen zu entdecken. Abonnieren Sie die Online-Ableger renommierter deutscher Kunstmagazine wie „Monopol“ oder „Art Magazin“. Folgen Sie gezielt lokalen Kunstvereinen und städtischen Galerien wie dem Kunstverein Hannover oder dem Museum Folkwang. Nutzen Sie visuelle Plattformen wie Pinterest, das mit einer anderen Logik arbeitet, oder erstellen Sie physische Moodboards. Diese bewusste Diversifizierung Ihrer Einflüsse ist die beste Versicherung gegen kreative Stagnation.
Ihr Plan zur Auditierung der Inspirationsquellen
- Punkte des Kontakts: Listen Sie alle Kanäle auf, über die Sie Inspiration beziehen (z.B. Instagram-Feeds, Pinterest-Boards, Magazine, Museumsbesuche).
- Sammlung: Inventarisieren Sie Ihre gespeicherten Inhalte (Screenshots, Lesezeichen, Notizen) und suchen Sie nach wiederkehrenden Mustern.
- Kohärenz: Konfrontieren Sie diese Muster mit Ihren eigenen künstlerischen Werten. Spiegeln sie Ihre Vision wider oder nur aktuelle Trends?
- Einprägsamkeit/Emotion: Identifizieren Sie, welche Inspirationen eine echte emotionale Reaktion auslösen, im Gegensatz zu generischen, schnell vergessenen Bildern.
- Integrationsplan: Ersetzen Sie gezielt ein oder zwei Ihrer „bequemen“ Inspirationsquellen durch neue, für Sie untypische Kanäle, um den Horizont zu erweitern.
Wann und wie schreiben Sie einem Galeristen nach der Vernissage?
Der Kontakt zu einem Galeristen ist ein entscheidender Schritt, der oft von Unsicherheit geprägt ist. Eine Vernissage bietet die perfekte Gelegenheit für ein kurzes, persönliches Gespräch. Doch der eigentliche, strategische Teil beginnt danach. Das Nachfassen per E-Mail entscheidet darüber, ob Sie als professioneller Künstler oder als einer von vielen Hobby-Malern wahrgenommen werden. Hier gelten im deutschen Kunstmarkt spezifische, oft ungeschriebene Regeln.
Timing und Ton sind entscheidend. Eine E-Mail direkt am nächsten Morgen wirkt aufdringlich. Die von Kunstplaza empfohlene Strategie für den deutschen Markt sieht eine Kontaktaufnahme 2-3 Werktage nach der Veranstaltung vor. Dies gibt dem Galeristen Zeit, die Eindrücke zu verarbeiten, und signalisiert gleichzeitig Ihr ernsthaftes Interesse. Die Anrede muss formell sein („Sehr geehrte/r Herr/Frau…“). Der Schlüssel zum Erfolg ist der sogenannte „Ankerpunkt-Trick“: Beziehen Sie sich konkret auf ein Gespräch, das Sie geführt haben, oder auf ein bestimmtes Werk, das Sie gemeinsam betrachtet haben. Das schafft eine persönliche Verbindung und hebt Sie von der Masse ab.
Der größte Fehler ist, einfach einen Link zu Ihrem Instagram-Profil zu senden. Das wirkt unprofessionell und verlagert die Arbeit auf den Galeristen. Stattdessen sollten Sie ein kuratiertes PDF-Portfolio (maximal 5 MB) anhängen, das eine kleine, aber repräsentative Auswahl Ihrer besten und neuesten Arbeiten zeigt. Die Struktur der E-Mail sollte präzise und respektvoll sein:
- Betreff: Konkret und mit Bezug zur Veranstaltung (z.B. „Nach unserem Gespräch auf der Vernissage von Künstler X“).
- Einleitung: Dank für die Zeit und Herstellung des Gesprächsbezugs (der „Ankerpunkt“).
- Hauptteil: Sehr kurze Vorstellung Ihrer Arbeit und Hinweis auf das angehängte Portfolio.
- Abschluss: Ein offener, aber nicht fordernder Vorschlag für einen nächsten Schritt (z.B. „Ich würde mich freuen, bei Gelegenheit mehr von meiner aktuellen Serie zu zeigen.“).
Sollte eine Absage kommen, nehmen Sie diese professionell zur Kenntnis. Das Programm einer Galerie ist oft 1-2 Jahre im Voraus geplant. Ein respektvolles Follow-up nach 6-12 Monaten mit neuen Arbeiten ist oft willkommen und zeigt Ihre kontinuierliche Weiterentwicklung.
Das Wichtigste in Kürze
- Das „Prozess-Narrativ“ ist Ihr stärkstes Verkaufstool: Es schafft emotionale Bindung und steigert die Wertwahrnehmung.
- Datenhoheit ist entscheidend: Nutzen Sie eine eigene Website als sichere Basis und Instagram als Zubringerkanal.
- Rechtssicherheit in Deutschland ist nicht optional: Ein korrektes Impressum und eine DSGVO-konforme Datenschutzerklärung sind Pflicht.
Wie verändert KI-generierte Kunst den Wert handgemalter Originale?
Die explosionsartige Verbreitung von KI-generierter Kunst stellt den traditionellen Kunstmarkt vor neue Fragen. Wenn jeder in Sekundenschnelle ästhetisch ansprechende Bilder erzeugen kann, was ist dann noch der Wert eines handgemalten Originals? Die Antwort liegt nicht in der Abwehr der Technologie, sondern im Verständnis dessen, was sie nicht replizieren kann. Die KI kann Bilder erzeugen, aber sie kann keine Geschichte, keine physische Präsenz und keine menschliche Erfahrung schaffen.
In dieser neuen Realität wird die Wert-Haptik zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal. Die Textur der Leinwand, der Geruch der Ölfarbe, die sichtbaren Pinselstriche, die kleinen „Fehler“, die die menschliche Hand hinterlässt – all das wird zu einem Luxusgut. In einer Welt unendlicher digitaler Kopierbarkeit wird das physisch einzigartige Original zum ultimativen Wertträger. Ihr Prozess-Narrativ, das die investierte Zeit, das handwerkliche Können und die physische Arbeit dokumentiert, wird so zur direkten Antwort auf die Herausforderung durch die KI.
Die Content-Evolution auf Plattformen wie Instagram, wo laut einer Metricool-Analyse die Veröffentlichungen von Reels zunahmen, während Feed-Beiträge sanken, spielt Ihnen dabei in die Hände. Kurze, prozessorientierte Videos sind das perfekte Medium, um die Haptik und den menschlichen Faktor Ihrer Arbeit zu transportieren. Die KI mag das „Was“ (das Bild) nachahmen können, aber Sie besitzen das „Wie“ (den Prozess) und das „Warum“ (Ihre Vision). Die strategische Kommunikation dieser Aspekte ist Ihre stärkste Waffe.
In einer Welt der unendlichen digitalen Reproduzierbarkeit durch KI werden die Einzigartigkeit, die Haptik, die ‚Fehler‘ und die nachweisbare menschliche Arbeitszeit zum ultimativen Werttreiber.
– David Ambarzumjan, deutschland.de – How social media are changing art
Die Zukunft des Kunstverkaufs liegt also nicht darin, gegen die KI zu konkurrieren, sondern die Qualitäten zu betonen, die sie prinzipiell nicht erbringen kann. Ihre Aufgabe ist es, die Seele und die Körperlichkeit Ihrer Arbeit sichtbar und begehrenswert zu machen. Damit wird das handgemalte Original nicht entwertet, sondern im Gegenteil als authentisches, wertvolles Artefakt neu aufgeladen.
Beginnen Sie noch heute damit, diese Strategien umzusetzen. Analysieren Sie Ihren Content und richten Sie ihn konsequent auf das Erzählen Ihres Prozess-Narrativs aus. Der erste Schritt zur Transformation Ihres Accounts ist die bewusste Entscheidung, nicht nur Kunst zu zeigen, sondern den Wert dahinter erlebbar zu machen.